Gestern war der letzte Spieltag der Schachsaison für die Oberliga und die Bundesligen. Für unsere erste Mannschaft stand ein Auswärtsspiel in Baden-Baden an. Vor der Runde war der Klassenerhalt noch nicht ganz sicher und so versuchten wir natürlich noch möglichst das Mannschaftspunktekonto etwas aufzubessern. Es gelang uns tatsächlich auch ein 4,5 : 3,5 Sieg. Nachdem ein Spieler der OSG Baden-Baden zunächst selbst und zuletzt auch noch die Mannschaft aus Baden-Baden unglücklich verlor, legte er noch schriftlichen Protest ein. Das Ergebnis ist also noch unter Vorbehalt. Der Klassenerhalt ist allerdings schon sicher.
Die Anreise gestaltete sich leider äußerst problematisch. Während zwei Waldshuter Spieler in Freiburg vergeblich auf einen weiteren warteten (der Fahrer), standen die restlichen fünf in einem längeren Stau (Brückenbau bei Müllheim). Der Stau löste sich schließlich auf und in Freiburg war Klaus Amann so freundlich uns ein Auto zur Verfügung zu stellen. So konnten wir das Spiellokal schließlich immerhin zu siebt erreichen. Allerdings hatte das für uns erhebliche Zeitstrafen zur Folge. So begannen fünf Waldshuter mit 45 Minuten auf der Uhr und zwei mit lediglich 24 Minuten.
Heinz Wirthensohn konnte am ersten Brett gegen Jean-Noel Riff (2500 elo!) gewinnen. Dieser wählte wohl ein besonders scharfe Eröffnungsvariante mit Bauernopfer, da er sich mit dem Zeitvorteil in der Pflicht sah. Heinz konnte dem Druck jedoch widerstehen und gewann die Partie. Dennis Eschbach holte den erheblichen Zeitnachteil in seiner Partie rasch in der Eröffnung auf und einigte sich kurz darauf auf ein Remis mit seinem Gegner. Norbert Friedrich spielte engagiert auf Sieg musste aber schließlich auch Remis geben. Am vierten Brett mussten wir uns leider kampflos geschlagen geben, da Heinz Schaufelberger, aus mir noch unbekannten Gründen, nicht aufgetaucht ist. Udo Düssel machte der Zeitnachteil in seiner Partie wohl sehr zu schaffen uns so sah er sich bald einem schlechten Endspiel gegenüber. Im entstehenden Turmendspiel befand sich Udo dann aber in seinem Element und konnte Remis halten. Patrick Säring stand die meiste Zeit der Partie schlechter, bis er sich befreien und in ein leicht besseres Endspiel überleiten konnte, um dann durch einen Turmtausch gleich wieder jeglichen Vorteil zu vergeben. Sein Gegner gab dann allerdings überraschend auf, da er in beidseitiger Zeitnot nicht sah wie die Partie Remis zu spielen war. Helmut Eidinger schien mir lange eine ausgeglichene Partie zu spielen, geriet dann aber in ein schlechtes Endspiel. In dieser Partie sollte sich eigentlich entscheiden, ob wir 4:4 spielen können, aber nach einem Figureneinsteller seines Gegners verlor dieser den Kopf und die Partie und so gewannen wir doch noch den Mannschaftskampf. Georg Vogelbacher musste sich am achten Brett mit knapper Startzeit (24 Minuten) geschlagen geben. Sein Gegner, Bilel Bellahcene aus Frankreich, konnte mit seinen 13 Jahren durch starkes und routiniertes Spiel überzeugen. Vielleicht wird man in Zukunft noch häufiger von diesem jungen Talent hören.
Zu dem Protest von Christian Bossert möchte ich auch noch einige Worte verlieren. Zunächst war Herr Bossert äußert unerfreut über unser spätes Erscheinen. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man lieber pünktliche Gegner hat und sich über Verspätungen ärgert. Allerdings sollte man auch bedenken, dass Gegner nie absichtlich zu spät kommen und mit der Bedenkzeit ja durchaus die Zeche dafür zahlen müssen. Obwohl er mich freundlicherweise zum Brett geführt hatte und schon an diesem saß hielt er es nicht für nötig zu warten bis ich mich auch hätte setzen können und verschwand also kurz bevor ich mit der Partie beginnen konnte wieder. Vermutlich musste er abklären, ob ich überhaupt noch spielen durfte. So kam er dann also doch noch ans Brett. Wir begrüßten uns und ich entschuldigte mich kurz für mein spätes Kommen (mir war noch nicht bewusst, dass auch der Rest der Mannschaft gewaltige Verspätung hatte). Dann spielten wir unsere Partie, in der ich unter ernomen Zeitdruck stand (24 Minuten Startzeit). Als Herr Bossert dann in Zeitnot und Remisstellung aufgab hielt er die Uhr an, (schüttelte mir nicht die Hand), erhob sich in den Saal und begann lautstark uns (oder mich?) der "groben Unsportlichkeit" zu bezichtigen. Weiter sei es unverschämt so spät (er nannte auch noch ein paar Zahlen) zum Spieltermin zu erscheinen. Bossert: "Es gibt keine Entschuldigung zu spät zu kommen--rechtzeitig losfahren" (man bedenke, dass er nie mit mir gesprochen hat) und außerdem sei das gar keine richtige Partie sondern Schnellschach gewesen. Verschiedene Spieler wandten sich mittlerweile an ihn und klärten ihn über die Remisstellung auf, woraufhin Herr Bossert meinte: "Der soll jetzt endlich unterschreiben." Zugegebenerweise habe ich aufgrund von Respekt Herrn Bossert gegenüber, Verwirrung über die Aufgabe und Bedauerns wegen der Verspätung nicht sofort das Partieformular ausgefertigt und trotzdem fände ich es angebracht, wenn mein Gegner mich wenigstens ansprechen würde, wenn er es damit eilig hat. In dieser Stimmung kam ihm wohl der Gedanke des Protestes und als Baden-Baden dann schließlich auch noch unglücklich verlor reichte er diesen auch ein. Zum Protest selber muss ich sagen, dass ich nicht ganz sicher bin wogegen er ist und nicht einschätzen kann, ob ihm stattgegeben wird. Übrigens kann Baden-Baden III nicht aufsteigen und es ging also nur noch um den formellen Sieg in der Oberliga. Ob wir aufgrund der ernormen Verspätung hätten spielen dürfen oder nicht ist eine Frage für den Schiedsrichter. Wir sind angereist und haben gespielt. Warum wir (oder ich?) uns deswegen "grob Unsportlich" verhalten haben ist mir unklar. Und so viel Verständnis ich dem Ärger über Unpünktlichkeit beim Schach entgegenbringen kann, würde ich mich doch freuen, wenn man wenigstens danach sein Verhalten reflektieren kann.
Etwas erfreulicher waren die Geschehnisse ein Stockwerk über uns.Zeitgleich zu der Begegnung in der Oberliga war dort die Bundesliga zu Gast in Baden-Baden. Und so spielten OSG Baden-Baden gegen Delmenhorster SK und Werder Bremen gegen SC Eppingen. Werder Bremen konnten sich durch einen klaren 7:1 Sieg gegen Eppingen noch den zweiten Platz in der Bundesliga holen und Baden-Baden krönte mit 7:1 gegen Delmenhorst die Saison 2010/2011. Baden-Baden ist 2011 erneut deutscher Meister--Glückwunsch hierzu. Hier ein kleiner Auszug der Spieler, die gestern zu bewundern waren: Shirov, Svidler, Movsesian, Adams, Naiditsch (alle Baden-Baden), Tiviakov (Eppingen), Gashimov, Efimenko (Bremen) und viele weitere. Es ist schön zu sehen, dass Baden mit Baden-Baden und Eppingen stets stark in der Bundesliga vertreten ist und aufgrund der Doppelspieltage ist ein Besuch bei Baden-Baden oder Eppingen für den Schachliebhaber allemal die Reise wert.